Internationale Klassen

Internationale Klassen

Ein wesentlicher Schwerpunkt unserer Schule liegt in der Förderung der sogenannten Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger. Dies sind Kinder und Jugendliche, die noch schulpflichtig sind und die ohne oder mit nur sehr geringen Kenntnissen unserer Sprache nach Deutschland gekommen sind. Ein beträchtlicher Teil der Jugendlichen kommt als sogenannte "unbegleitete minderjährige Flüchtlinge". Diese zum größten Teil männlichen Jugendlichen leben im Rahmen der Jugendhilfe in Wohngruppen verteilt über das Stadtgebiet.

Zurzeit gibt es drei Fördergruppen mit rund 45 Schülerinnen und Schülern, die in Form von Deutsch-Intensivkursen auf den Unterricht in Regelklassen, Berufskollegs oder berufsvorbereitende Maßnahmen vorbereitet werden.

Konzept für die Förderung von Kindern und Jugendlichen in internationalen Klassen

1. Vorbemerkungen

1.1 Beratung für Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger im Kommunalen Integrationszentrum Düsseldorf (KI)

1.2 Situation an der GHS Bernburger Straße

2. Förderung der Schülerinnen und Schüler ohne Deutschkenntnisse in Internationalen Klassen

2.1 Förderung der Schülerinnen und Schüler im Alter unter 14 Jahren mit dem Ziel der Einbindung in die Regelklassen im 5.- 8.Schuljahr

2.2 Förderung der Schülerinnen und Schüler über 14 Jahren

2.3 Fachdidaktische Vereinbarung

2.4 Zeugnisse

  • Verweildauer in den Internationalen Klassen - Perspektiven
  • Maßnahmen zur persönlichen Integration
  • Anschlussförderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund im Regelbereich

3.1 Eingliederung der Schülerinnen und Schüler unter 14 Jahren in den Regelunterricht ab Klasse 5

3.2 Eingliederung der Schülerinnen und Schüler über 14 Jahren in den Regelunterricht ab Klasse 8

  • Förderung von Schülerinnen und Schülern mit erheblichem sprachlichen Förderbedarf

4. Einbindung der Internationalen Klassen in den Ganztagsbetrieb

5. Berufsorientierung

6. Anschlussförderung in Berufskollegs oder berufsvorbereitenden Maßnahmen

Vorbemerkungen

1.1 Beratung für Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger im KI

Am Anfang steht eine eingehende Erstberatung der betreffenden Schülerinnen und Schüler mit ihren Eltern im Kommunalen Integrationszentrum Düsseldorf (KI). Danach erfolgen eine den schulischen Voraussetzungen und dem Beratungsergebnis entsprechende Zuweisungsempfehlung sowie die betreffende Zuweisung durch das Schulamt, nachdem eine mögliche Aufnahme nach Klärung der Kapazitäten mit der jeweiligen Schulleitung abgestimmt worden ist. Bei Fragen des Schul- bzw. Schulformwechsels und der Schullaufbahn besteht die Möglichkeit, Folgeberatungen in Anspruch zu nehmen.

In Konferenzen und Besprechungen auf der Schulamtsebene wurde die bestehende Praxis in der Vergangenheit kontinuierlich reflektiert, wobei sich – trotz des erreichten Organisations- und Qualitätsstandes – Handlungsbedarf in folgenden Bereichen herauskristallisierte:

  • Die Verweildauer in Fördergruppen beträgt in der Regel ein Jahr, bei einzelnen Schülerinnen und Schülern auch mehr. Das hat Auswirkung auf die zur Verfügung stehenden Förderplätze.
  • Bedingt durch die Zuweisung in die Fördergruppen während des gesamten Schuljahres sind Heterogenität und Fluktuation besonders hoch, was die Verweildauer der einzelnen Schülerinnen und Schüler in den Fördergruppen erhöht und die Qualität der Kurse beeinträchtigt.
  • Auswirkungen auf den Unterricht durch die steigende Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge.
  • Übergang nach der Erstförderung in die Bildungswege der Sekundarstufe II.

1.2 Situation an der GHS Bernburger Straße

Wie aus der Datenerhebung ersichtlich, besuchen derzeit 340 Schülerinnen und Schüler die GHS Bernburger Straße, davon haben 270 Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund. Allein 45 Schülerinnen und Schüler befinden sich zurzeit in der Erstförderung.

Besonders anzumerken ist dabei, dass bei voller Auslastung der Fördergruppen etwa 30 Schülerinnen und Schüler älter als 14 Jahre sind. Etwa 15 davon gehören der Gruppe der „unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge“ an, junge Männer und Frauen, die ohne Angehörige hier in Deutschland leben. Die Zahl dieser Schülerinnen und Schüler wächst. Ihre Bildungsvoraussetzungen sind sehr, sehr unterschiedlich, sie reichen vom absoluten Analphabetentum und keiner bis wenig Schulerfahrung bis zum bereits erreichten Schulabschluss im Heimatland.

Momentan besuchen 15 Schülerinnen und Schüler zwischen 10 und 14 Jahren eine Fördergruppe, die älteren Schülerinnen und Schüler werden in zwei weiteren Fördergruppen unterrichtet.

Ca. 50% aller Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund haben noch einen – zum Teil – erheblichen Förderbedarf, den wir im Rahmen des regulären Unterrichtes durch Differenzierungsmaßnahmen, im Rahmen des Ganztagsbetriebes durch spezielle Förderangebote und in differenzierten Deutschkursen parallel zum Regelunterricht im Fach Deutsch abdecken.

Einen über das Normalmaß hinausreichenden Förderbedarf haben die Schülerinnen und Schüler, die aus den Internationalen Klassen, in denen die Erstförderung erfolgt, in die Regelklassen wechseln und die so in das normale Unterrichtsangebot eingebunden werden.

Derzeit haben wir an der Schule etwa 20 Schülerinnen und Schüler in Regelklassen, die über den Seiteneinstieg den Weg in das Schulsystem gefunden haben. Insgesamt gesehen machen ehemalige und aktuelle Seiteneinsteiger ca. 20% der Schülerschaft aus. Die Schule muss hier ein spezielles, über das normale Maß hinausreichendes Förderangebot machen.

Förderung der Schülerinnen und Schüler ohne Deutschkenntnisse in Internationalen Klassen

Ausgangssituation

In den letzten Jahren nimmt die Anzahl der Kinder und Jugendlichen ab, die – wie in den Jahren davor – im Rahmen der „Familienzusammenführung“ nach Deutschland einreisen, nach Düsseldorf kommen, hier leben und zur Schule gehen. Diese Kinder und Jugendlichen besuchten in den meisten Fällen in ihrer Heimat regelmäßig die Schule.

Zurzeit reisen mehr Familien ein, die aus den unterschiedlichsten Gründen ihre Heimat –  Krieg und Verfolgung, wirtschaftliche Not, Perspektivlosigkeit für die Kinder – verlassen wollten oder gar mussten. Oft war deshalb für die Kinder ein regelmäßiger Schulbesuch nicht möglich.

Zunehmend reisen Roma-Familien ein, deren Kinder nie oder sehr unregelmäßig die Schule besuchten.

Für unsere Schule hat dies zur Folge, dass sich generell der Bildungshintergrund der Schülerinnen und Schüler - vornehmlich in der Gruppe der jüngeren – schmälert. Außerdem haben wir zunehmend mit Kindern zu tun, bei denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf überprüft werden muss. Dies geschieht mehr und mehr schon im Rahmen des Seiteneinsteiger-Unterrichts, eine Integration in den Regelbereich erfolgt dann erst gar nicht.

Unterrichtssituation

Der meist einjährige Unterricht „Deutsch als Zweitsprache“ vermittelt, wie jeder Sprachunterricht, die folgenden Kompetenzen gemäß dem allgemeinen europäischen Referenzrahmen für das Lernen und Lehren von Sprachen

  • Hörverstehen
  • mündlicher Sprachgebrauch
  • Textverständnis / Leseverstehen
  • Textproduktion 
  • Verfügbarkeit von sprachlichen Mitteln / grammatische Korrektheit
  • Ausdrucksvermögen / kommunikative Reichweite

Hierbei sind in der Regel nach einem Jahr die Kompetenzstufen A1 und A2 zu erreichen.

In diesem Zusammenhang ist noch der Unterschied zwischen „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ)  und Deutsch als Fremdsprache (DaF) zu berücksichtigen.

Viele Schülerinnen und Schüler im Seiteneinsteigerbereich können nicht auf fundierte Grundkenntnisse einer Sprache zurückgreifen, wie es bei einem Unterricht „Deutsch als Fremdsprache“ vorausgesetzt wird.

2.1 Förderung der Schülerinnen und Schüler im Alter unter 14 Jahren mit dem Ziel der Regelklassen 5-8

In den letzten zwei Jahren kamen wieder mehr Schülerinnen und Schüler im Alter unter 14 Jahren ohne deutsche Sprachkenntnisse an die Schule.

Sie wurden in einer eigenen Fördergruppe an die deutsche Sprache und an den deutschen Schulunterricht im Allgemeinen herangeführt.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der sprachlichen Erstförderung, immer öfter aber muss auch Alphabetisierungsarbeit geleistet werden.

Die Schülerinnen und Schüler erhalten in der Fördergruppe ca. 18 – 20 Stunden Deutschunterricht, 6-8 Stunden Mathematikunterricht, vier bis sechs Stunden Sport- und Kunstunterricht, teilweise auch zwei Stunden Informatikunterricht.

Fächer aus dem Bereich Gesellschaftslehre werden in den Sprachunterricht integriert.

Je nach Lernfortschritt erfolgt nach wenigen Wochen eine Anbindung an eine Regel- bzw. Zielklasse, die Schülerinnen und Schüler nehmen individuell am Unterricht dieser Klasse teil. Fächer und zeitlicher Umfang sind von der Sprachentwicklung der einzelnen Schülerin, des einzelnen Schülers abhängig.

Spätestens nach 12 bis 15 Monaten soll eine vollständige Eingliederung in eine Regelklasse erfolgen.

Erschwert wird eine kontinuierliche Arbeit dadurch, dass die Schülerinnen und Schüler zu ganz unterschiedlichen Zeiten nach Deutschland kommen und bei uns angemeldet werden. Die ersten Schülerinnen und Schüler kommen mit Schuljahresbeginn, die letzten, wenn noch Platz in der Klasse ist, durchaus erst kurz vor Ende des Schuljahres.

2.2 Förderung der Schülerinnen und Schüler über 14 Jahren

Nach Beratung bei der KIB und einer entsprechenden Zuweisung an die GHS Bernburger Straße erfolgt ein schulinternes Aufnahmegespräch bei einer im Förderbereich tätigen Kollegin mit dem Ziel, die neuen Schülerinnen und Schüler einer ihnen angemessenen Fördergruppe zuzuweisen.

Die Lernvoraussetzungen bei den einzelnen Schülerinnen und Schülern sind sehr unterschiedlich. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler steigt, die nie oder nur sehr wenig eine Schule besucht haben. Darüber hinaus reichen die Bildungsvoraussetzungen von einfachen Grundkenntnissen der eigenen Sprachen in Verbindung mit einer sehr geringen Allgemeinbildung bis zur Vorbildung durch einen langjährigen, regelmäßigen Schulbesuch im Heimatland und einer damit verbundenen guten Schulbildung, einer ausgeprägt guten Arbeitshaltung bis hin zu einem sehr guten Lern- und Leistungswillen in Verbindung mit klaren Vorstellungen einer beruflichen und privaten Zukunft. Letzteres aber ist eher die Ausnahme.

Viele Schülerinnen und Schüler leben hier in schwierigen persönlichen Situationen, haben vielfach traumatische Erlebnisse aus den Zeiten im Heimatland und den Umständen der Flucht aus dem Heimatland zu verarbeiten. Familiäre Bindungen gibt es oft nicht, die jungen Leute sind nicht selten völlig auf sich allein gestellt. Oft ist die Altersfrage ungeklärt. Die meisten von ihnen leben in Wohngruppen der freien Träger. Eine umfangreiche sozialpädagogische Betreuung ist erforderlich, in die auch unsere Schulsozialpädagogen stark eingebunden sind.

Auch für viele Schülerinnen und Schüler, die in Familien leben, hat sich die familiäre Situation durch den Aufenthalt in Deutschland radikal verändert. Eine normale Familiensituation gibt es kaum, meist leben die Schülerinnen und Schüler in sogenannten Patchworkfamilien, in denen nicht selten unterschiedliche Sprachproblematiken aufeinander treffen.

Die Sprachförderung erfolgt mit ca. 20 Deutschstunden pro Woche, die von der Kursleitung erteilt werden. Die Kursgröße beträgt in der Regel 15 Schülerinnen und Schüler. Diese Größenordnung sollte auch nicht überschritten werden, weil bei der ausgesprochen schwierigen Gesamtsituation dieser Lerngruppen eine individuelle Förderung sonst völlig ausgeschlossen wäre.

Ergänzt wird der Deutschunterricht durch 4-6 Mathematikstunden, 2 Stunden Sportunterricht und einer Reihe von  Angeboten aus dem musisch-kreativen Bereich, um den Schülerinnen und Schülern eine sinnvolle Rhythmisierung des Schulalltages anbieten zu können. Zu den beliebtesten Angeboten zählt Tanz. Tanz mit all seinen Facetten zählt zu den wichtigsten Ausdrucksmitteln dieser Schülerinnen und Schüler und gibt ihnen die nahezu einzigartige Möglichkeit, sich in einer besonderen, anerkannten Weise zu präsentieren. Hier machen wir den Schülerinnen und Schülern in Kooperation mit dem Tanzhaus NRW ein hoch professionelles Angebot unter Leitung einer speziell ausgebildeten Tanzpädagogin.

Gruppeneinteilung

Die Förderung erfolgt in drei Lerngruppen, von denen zwei weitestgehend gemäß dem Alter der Schüler zusammengesetzt sind.

In einer Gruppe werden vornehmlich Schülerinnen und Schüler gefördert, die aufgrund ihres Alters auch im kommenden Schuljahr an der Schule verbleiben und eine Regelklasse besuchen werden. Hier findet inhaltlich eine deutliche Ausrichtung auf den möglichen Unterricht in einer Regelklasse statt.

In einer zweiten Gruppe werden vornehmlich Schülerinnen und Schüler gefördert, die aufgrund ihres Alters im kommenden Jahr außerhalb unserer Schule eine Anschlussförderung erfahren werden, entweder in einem Berufskolleg oder in einer berufsvorbereitenden Maßnahme.

Allein die dritte Lerngruppe orientiert sich am Leistungsvermögen der Schülerinnen und Schüler. Hier finden vornehmlich sehr leistungsschwache Schülerinnen und Schüler ihren Platz. Aufnahme finden hier auch Schülerinnen und Schüler, die noch alphabetisiert werden müssen. Phasenweise werden in dieser Gruppe auch jüngere Schülerinnen und Schüler unterrichtet.

Entscheidungen zur Kurszugehörigkeit werden im Rahmen der Anmeldegespräche aufgrund der schulischen Vorerfahrungen bzw. der vorgelegten Leistungsnachweise getroffen.

Allgemeine Fragen werden regelmäßig in pädagogischen Konferenzen der Lehrkräfte der Internationalen Klassen behandelt. Hier werden auch alle anstehenden Fragestellungen zu sozialen, kulturellen, lernstandsorientierten Aspekten behandelt und entsprechende Entscheidungen und Absprachen getroffen.

Pädagogische Konferenzen finden mindestens 2 x pro Halbjahr, bei Bedarf auch öfter, statt.

2.3 Fachdidaktische Vereinbarungen

Grundlage für die Alphabetisierung ist die Fibel „Anne und Ali in Düsseldorf“, die wir im Rahmen einer Lehrerfortbildung mit der ehemlaigen RAA (heute KI) selbst entwickelt haben. Diese Fibel eignet sich einerseits zur Alphabetisierung von Kindern und Jugendlichen, die in ihrer Heimat keine Schule besucht haben und in ihrer Muttersprache nicht Lesen und Schreiben können, aber auch zu Einführung der lateinischen Ausgangsschrift, wenn z.B. bisher nur mit arabischen Schriftzeichen geschrieben wurde. Das „Hamburger ABC“ und Materialien der Schulbuchverlage zur Alphabetisierung werden ergänzend eingesetzt.

Grundlage für den Unterricht im Rahmen von DaZ ist an der GHS Bernburger Straße zurzeit das Lehrwerk „Prima 1“ und „Prima 2“ – Deutsch für Jugendliche - ergänzt durch entsprechende Materialien anderer Lehrwerke z.B. „das da“, „Delphin“, „Passwort Deutsch“ oder „PingPong“.

In regelmäßigen Abständen werden Lernzielkontrollen gemacht, die benotet werden.

Inhalte der LZK sollen folgende Bereiche sein:

  • Wortschatzüberprüfung
  • Grammatik, im Kursverlauf vor allem in der Anwendung im Rahmen realer Sprechsituationen
  • Hörverstehen
  • Textverständnis (so wie in „Prima“ in Lektionen vorgeschlagen, später soll es mit der Beantwortung von Fragen zu den Texten verknüpft werden)
  • Textproduktion (vom Beginn eines Kurses an, mit kleinen Textproduktionen beginnend z.B. sich vorstellen bis hin zu immer offeneren Fragestellungen und Aufgaben)
  • an den Standards der Zertifikatsprüfungen entsprechend dem Europäischen Referenzrahmen
  • an den Anforderungen der Regelklassen

Die Lernzielkontrollen sollen eine Vergleichbarkeit bzw. eine möglichst objektive Einschätzung der Leistungen aller Schülerinnen und Schüler ermöglichen.

Im Laufe des Schuljahres – z.B. am Ende des 1. Halbjahres - sollen Paralleltests geschrieben werden, um einen genauen Überblick über das Leistungsniveau der verschiedenen Lerngruppen zu erhalten.

Realisiert wird so ein hohes Maß an Transparenz und ein Austausch über den Lern- und Leistungsstand der einzelnen Kurse, um eine individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler zu garantieren.

Entsprechend der Ergebnisse wird für die Schülerinnen und Schüler dann die Perspektive für den Bildungs- bzw. Ausbildungsweg nach Abschluss der Fördergruppe entwickelt.

2.4 Zeugnisse

Während der Intensiv-Förderung werden schriftliche und mündliche Leistungsnachweise erbracht, die u.a. eine Grundlage für die Beurteilungen im Zeugnis darstellen.

Noten für den Gesamtkurs im Bereich Deutsch gibt es nicht.

Mit Hilfe von Textbausteinen, die sich auf die einzelnen Kompetenzen beziehen und sich an den Formulierungen des europäischen Referenzrahmens orientieren, werden die Leistungen der Schülerinnen und Schüler konkret benannt.

In diesem Zusammenhang sind Formulierungen......sind mit gut/befriedigend/ nicht ausreichend..... zu bewerten ......in Teilbereichen der Textbausteine möglich.

Die Leistungen im Fach Mathematik sind ebenfalls wichtig im Hinblick auf eine Integration in die Regelklasse, deshalb werden auch in diesem Fach Lernfortschritte und Unterrichtsinhalte im Zeugnis dokumentiert, zusätzlich wird eine Note erteilt.

Fächer, die nach den Standards des Regelunterrichts oder im Regelbereich unterrichtet werden (Kunst, Sport etc.) werden benotet.

2.5 Verweildauer in den Internationalen Klassen / Perspektiven

Die Verweildauer in den Fördergruppen / -klassen reicht von der Zuweisung mindestens bis zum Ende des jeweiligen Schuljahres. Dann erfolgt der Übergang in eine Regelklasse, in eine Fördermaßnahme an einem Berufskolleg oder in eine berufsvorbereitende Maßnahme. Eine Weitervermittlung während des laufenden Schuljahres ist nur in Einzelfällen möglich, weil die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel nicht in laufende Maßnahmen an den Berufskollegs eingegliedert werden können.

Beim Übergang spielt eine entscheidende Rolle, ob die Schülerin oder der Schüler noch schulpflichtig im Sinn der Sek I ist oder nicht, bzw. wie weit sie oder er bereits überaltert ist.

Schülerinnen und Schülern mit 16 oder 17 Jahren kann durchaus ein weiterer Schulbesuch an der HS empfohlen werden mit dem Ziel, einen Hauptschulabschluss zu erwerben. Zeichnet sich diese Perspektive ab, erfolgt ggf. nach und nach die Anbindung an eine Zielklasse, um einen möglichst nahtlosen Übergang in den Regelbereich zu erreichen.

Schülerinnen und Schüler, die aber schon älter als 17 oder 18 Jahre sind, müssen in eine berufsvorbereitende Maßnahme oder in eine schulische Maßnahme im Rahmen der Sek II – in der Regel in einem Berufskolleg - integriert werden.

Die richtige Perspektive für die Schülerinnen und Schüler zu entwickeln ist die schwierigste zu lösende Aufgabe. Hier tauchen durch die spezielle Zusammensetzung der Schülergruppe mehr und mehr Probleme auf.

Die unbegleiteten Flüchtlinge leben i.d.R. mit dem Status der Duldung und dürfen deshalb nicht arbeiten. Hier müssen jeweils individuelle schulische oder außerschulische Fördermaßnahmen gefunden werden.

Die bereits zu Beginn des Jahres 2010 entwickelte und mit Beginn des Schuljahres 2010/2011 realisierte Kooperation mit dem Franz-Jürgens-Berufskolleg hat da Voraussetzungen geschaffen. Gerade die älteren Schülerinnen und Schüler bekommen am BK die oft sehr aussichtsreiche Möglichkeit, den ersten Schulabschluss zu erreichen bzw. einen schon im Regelbereich der HS erreichten Schulabschluss auszubauen.

Die Beteiligung weiterer Berufskollegs der Stadt Düsseldorf an der Anschlussförderung ist daher sehr zu begrüßen und für diese Schülerinnen und Schüler ausgesprochen wichtig.

2.6 Maßnahmen zur persönlichen Integration

Während die jüngeren Schülerinnen und Schüler durch eine frühe Anbindung an eine Regelklasse schnell in die Schulgemeinschaft integriert werden können, stellt die bis zu einem Jahr dauernde Zugehörigkeit zu den Fördergruppen bei den älteren Schülerinnen und Schülern ein größeres Problem dar. Sie bleiben bis zu 12 Monaten in einem relativ geschlossen Kreis der Fördergruppen.

Sie begegnen allen anderen Mitschülerinnen und Mitschülern in den Pausen, Freizeitbereichen und bei gemeinsamen Unterrichtsveranstaltungen.

Alle Internationalen Klassen nehmen an allen gesellschaftlichen Veranstaltungen der Schule teil und sind somit Teil der Schulgemeinschaft und des Schullebens. Dazu gehören Sportfeste ebenso wie gemeinsame Projekttage, Feiern und Veranstaltungen aller Art.

Auch werden Schülerinnen und Schüler der Internationalen Klassen sehr erfolgreich in Schulmannschaften berufen und daran beteiligt, die Schule auch nach außen zu vertreten. Sie machen das ausgesprochen gern und sind dabei sehr zuverlässig.

Durch die unterschiedliche Anbindung an die Regelklassen erfolgt eine stetige Durchmischung der Schülerschaft, so dass alle Seiteneinsteiger gut in das schulische Leben integriert werden können.

Die oft sehr problematische persönliche Situation der Schülerinnen und Schüler macht eine intensive sozialpädagogische Betreuung notwendig. Vielfach müssen traumatische Erlebnisse aufgearbeitet und verarbeitet werden. Die Zusammenarbeit mit den Betreuern der Jugendlichen, den amtlichen Stellen und vor allem den Therapeuten und Ärzten ist unabdingbar notwendig. Gleichzeitig benötigen viele Schülerinnen und Schüler Hilfe und Unterstützung dabei, sich in ihrer neuen Umgebung, in ihrem neuen Leben zurechtzufinden.

3. Förderung von Schülerinnen und Schülern aus den internationalen Klassen im Regelbereich

3.1 Eingliederung der Schülerinnen und Schüler unter 14 Jahren in den Regelunterricht ab Klasse 5

Je nach Lernfortschritt erfolgt im Idealfall nach wenigen Monaten eine Anbindung an eine Regel- bzw. Zielklasse. Die Schülerinnen und Schüler nehmen individuell – je nach Alter und Leistungsstand innerhalb der Jahrgangstufen 5 bis 7 – am Unterricht dieser Klasse teil. Fächer und zeitlicher Umfang sind von der Sprachentwicklung der einzelnen Schülerin bzw. des einzelnen Schülers abhängig. Spätestens nach 12 bis 15 Monaten soll eine vollständige Eingliederung in eine Regelklasse erfolgen.

3.2 Eingliederung der Schülerinnen und Schüler über 14 Jahren in den Regelunterricht ab Klasse 8

Leistungsstarke, noch schulpflichtige Schülerinnen und Schüler werden ab der Klasse 8 in einer Regelklasse unterrichtet. Dabei werden 6-8 Schülerinnen und Schüler einer Klasse zugeordnet. In dieser Klasse unterrichten zwei Lehrkräfte im Team-Teaching das Fach Deutsch, so dass ein sehr differenziertes Arbeiten gewährleistet ist.

Je nach Situation in den Regelklassen werden die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Internationalen Klassen auch auf alle Regelklassen einer Jahrgangsstufe aufgeteilt und es erfolgt ein in allen Klassen paralleler Deutschunterricht im fachlichen wie organisatorischen Bereich, in dessen Rahmen diese Schülerinnen und Schüler eine eigene, ihrem Förderbedarf entsprechende Lerngruppe bilden.

Dazu kommt ein spezieller Deutsch-Förderunterricht parallel zum Fach Englisch, sofern die Schülerinnen und Schüler nicht in das Sprachangebot Englisch eingebunden werden können. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Förderung der Fachsprache aus den verschiedenen Fachbereichen des Regelunterrichtes.

Neben der Eingliederung in das Regelsystem erhalten die Intensiv-Kurs-Absolventen so eine umfangreiche Deutsch-Anschluss-Förderung mit ca. 10 Unterrichtsstunden pro Woche.

Klares und eindeutiges Ziel ist die Hinführung der Schülerinnen und Schüler zu einem Schulabschluss. Von daher wird eine Integration in die Jahrgangsstufe acht bevorzug, um so noch in zwei Jahren sprachliche und fachliche Defizite ausgleichen zu können und so ein Hauptschulabschluss nach Klasse 9 eher möglich wird.

Die im Eingangstext genannten Zahlen zeigen, dass das bei immer mehr Schülerinnen und Schülern aus den Internationalen Klassen erfolgreich umgesetzt werden kann.

3.3 Förderung von Schülerinnen und Schülern mit erheblichem sprachlichen Förderbedarf

Die hohe Zahl von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund und die Vielzahl von Facetten von Sprachproblemen erfordert in allen Klassenstufen ein hohes Maß an Fördermaßnahmen.

Sie liegen wegen massiver Sprachschwierigkeiten schwerpunktmäßig im Bereich Deutsch, aber auch in den sprachintensiven Fächern der Naturwissenschaften, der Gesellschaftslehre und der Mathematik.

Förderung im Bereich Sprache ist daher einer der wesentlichen Schwerpunkte der individuellen Förderung an der Schule. Hier muss der Aspekt „Deutsch in allen Fächern“ noch erweitert und intensiviert werden.

Das Fach Deutsch wird in den Regelklassen aller Jahrgangsstufen mit einer erhöhten Stundenzahl unterrichtet. Dabei obliegt es dem jeweiligen Fachlehrer, im Rahmen der individuellen Förderung die Sprachkompetenz der einzelnen Schülerinnen und Schüler zu fördern.

4. Einbindung der Internationalen Klassen in den Ganztagsbetrieb

Alle Schülerinnen und Schüler aus den Internationalen Klassen sind in den Ganztagsbetrieb der Schule eingebunden.

Die zusätzliche Verweildauer in der Schule hilft den Integrationsprozess zu verbessern. Es gibt mehr Ansatzpunkte für die gemeinsame Arbeit und die Begegnung mit den Regelklassenschülerinnen und -schülern.

Die Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften und sonstigen Zusatzangeboten erweitert wesentlich das Fachangebot für die Schülerinnen und Schüler der Fördergruppen.

5. Berufsorientierung

Erklärtes Ziel ist hier die Verbesserung der Berufsorientierung für aktuelle und ehemalige Schülerinnen und Schüler der Internationalen Klassen.

Sie sollen noch intensiver auf eine berufliche Ausbildung vorbereitet werden. Motivierte und leistungsstarke Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, die bisher in der Regel kaum eine Chance auf dem Ausbildungsmarkt hatten, sind dabei eine wesentliche Zielgruppe.

Teilaspekte im Rahmen dieser Förderung sind beispielsweise

  • Kennenlernen verschiedener Berufsbilder
  • Erproben unterschiedlicher Ausbildungsberufe zum Beispiel in den Werkstätten der JBH
  • Einbindung in Betriebserkundungen und Betriebspraktika, soweit die sprachlichen Möglichkeiten das zulassen

6. Anschlussförderung in Berufskollegs oder berufsvorbereitenden Maßnahmen

Seit Beginn des Schuljahres 2010/2011 gibt es eine feste Kooperation mit dem Franz-Jürgens-Berufskolleg, welches Schülerinnen und Schüler aus den Internationalen Klassen in spezielle Fördergruppen für eine Anschlussförderung übernimmt.

Im Laufe der Jahre haben sich weitere Berufskollegs dieser Aufgaben geöffnet, so dass wir den Schülerinnen und Schülern, die aufgrund ihres Alters nicht an unserer Schule verbleiben können, ein sehr differenziertes Angebot der Anschlussförderung machen können.

Alternativ zu einer Beschulung an einem Berufskolleg gibt es die Teilnahme an berufsvorbereitenden Maßnahmen.

In enger Kooperation mit dem Jugendamt und dem JobCenter plus der Arbeitsagentur durchlaufen diese Schülerinnen und Schüler im zweiten Schulhalbjahr ein intensives Profiling im Hinblick auf eine berufliche Orientierung und werden gemäß ihrem beruflichem Interesse im Rahmen der Jugendberufshilfe weiter gefördert.

Anschrift

GHS Bernburger Straße
Bernburger Straße 44
40229 Düsseldorf

Kontakt

Telefon: 0211 – 899 7660
Telefax: 0211 – 892 9344
E-Mail: sekretariat.bernburgerstr-gh@schule.duesseldorf.de

Diese Webseite verwendet Cookies. Mit Nutzung dieses Webangebotes erklären Sie sich einverstanden, dass nur funktionale Cookies Anwendung finden.